Besuch in Tarifa – Wal- und Delfintour in der Strasse von Gibraltar

Delfine faszinieren Menschen schon seit der Antike. Da ist es kein Wunder, dass mich diese Faszination auch erwischt hat und zwar schon von Klein auf. Delfine waren für mich immer etwas ganz Besonderes und irgendwie stimmte es mich schon als Kind traurig, dass sie in Delfinarien Kunststücke aufführen und für sie die Freiheit unerreichbar ist.

Ich wusste es früher einfach nicht besser, also besuchte ich auch Delfinarien. Woher sollte ich als kleiner Junge auch wissen, wo man Delfine in Freiheit erleben kann? Heute gibt es wesentlich mehr Möglichkeiten und das war einer der Gründe, warum ich als Kinder- und Jugendbuchautor, der einfach mehr bieten möchte, als „nur“ eine Geschichte, auf die Suche nach Menschen und Einrichtungen gegangen bin, die die Begegnung mit Delfinen in der freien Natur ermöglichen, und zwar auf eine für Delfine rücksichtsvolle Weise.

Vom 17. bis 21. Juli 2005 durfte ich einen Einblick in die Arbeit der Stiftung firmm® erhalten. firmm® ist die Abkürzung für Foundation for Information and Research On Marine Mammals oder zu deutsch: Stiftung zur Erforschung und Information von Meeressäugern.
Das Büro von firmm® liegt in Tarifa (Südspanien) und das Erforschungsgebiet erstreckt sich in die Strasse von Gibraltar. firmm® bietet neben mehrmals täglich stattfindenden Ausfahrten auf das Meer regelmäßige Seminare für Studenten und Urlauber an, die über den Zeitraum von ein oder zwei Wochen vor Ort stattfinden und auch über das Internet schon von zuhause aus gebucht werden können.


© firmm espana

Am 18. Juli startete unsere erste Ausfahrt von Tarifa aus durch die Strasse von Gibraltar in Richtung Atlantik. Die Strasse von Gibraltar liegt zwischen Spanien (dem südlichsten Festlandzipfel von Europa) und Afrika und verbindet das Mittelmeer mit dem atlantischen Ozean. Atemberaubend war nicht nur die spätere Sichtung von Grindwalen und Delfinen, sondern auch die Fahrt dorthin. firmm® fährt ausschließlich mit kleinen Booten raus, was ungeheuer viele Vorteile hat: Man stört die Tiere in ihrem Lebensraum nicht so sehr, wie mit einem großen Schiff. Der Kontakt zu den Tieren ist wesentlich intensiver, weil man deren Größe besser erlebt. Die Kommunikation mit dem bei jeder unserer Ausfahrten an Bord befindlichen Biologen Jörn Selling ist viel einfacher, als auf einem etwaigen großen Schiff. Außerdem lässt sich ein kleines Boot leichter manövrieren, d.h. die Skipper von firmm® achten peinlich genau darauf, nicht in die Gruppe der Delfine zu fahren und nehmen Rücksicht auf die Richtung der Wale und Delfine. Bei der Begegnung haben wir zahlreiche Grindwale und Große Tümmler gesichtet.

© firmm espana: Gewöhnlicher Grindwal © firmm espana: Großer Tümmler

Die Tiere schwammen interessiert um das Boot herum und sogar darunter durch, sodass wir erleben konnten, wie groß ein Grindwal wirklich ist (obwohl der Grindwal nicht zu den Großen seiner Art gehört). Es war sehr beeindruckend zu erleben, wie neugierig die Tiere sind, wenn man sich die Zeit nimmt, einfach abzuwarten und sie nicht zu verfolgen, wie es leider gängige Praxis bei manchen Veranstaltern ist.

Ich war über die Anzahl der gesichteten Tiere sehr verwundert, weil die Strasse von Gibraltar eine echte „Autobahn“ für Schiffe ist. Pausenlos sieht man Tanker, Container- und Kreuzfahrtschiffe im Hintergrund. Unvorstellbar, welchen Lärm die Wale und Delfine dort unter Wasser ertragen müssen. Vielleicht damit vergleichbar, dass unablässig Lastwagen durch unsere Wohnung fahren würden.

Noch ein Wort zur Seekrankheit: Der Wellengang ist oftmals „nicht von schlechten Eltern“, auch auf unserem Boot wurde so manchem etwas übel. Daher empfehle ich auf jeden Fall Kaugummis gegen Seekrankheit mitzunehmen. Die Ausfahrt dauerte zwei Stunden und es wäre ein Jammer, diese Erlebnisse durch Übelkeit getrübt zu bekommen. Die Kaugummis kann man sich entweder von der heimischen Apotheke mitnehmen, oder recht kostengünstig auch vor Ort kaufen (die Apotheke befindet sich witzigerweise nur eine Ecke vom Büro entfernt).

Die Ausfahrt war echt klasse und wir wollten sie auch am folgenden Tag wiederholen.
Leider drehte aber der Wind, was die Ausfahrten für den kommenden Tag unmöglich machte.
Da die Wettervorhersage keine Änderung ankündigte, wurde eines der Boote in den Hafen von Algeciras gebracht, eine Bucht in Richtung des Mittelmeeres, 18 Kilometer von Tarifa entfernt.

Von Algeciras starteten wir dann am 21.07. abermals zur Entdeckungsreise, jetzt allerdings in einer durch Felsen vor Wind und Wellen geschützten Bucht.
Schon bei der Ausfahrt aus dem Hafen wurde klar, dass dieser durch Container- und Kreuzfahrtschiffe stark frequentiert wird. Unzählige große Schiffe lagen vor Anker. Das Wasser war stellenweise stark verschmutzt. Unvorstellbar, dass wir hier auf Delfine treffen sollten.

Tatsächlich trafen wir auch nicht auf sie, sondern sie auf uns. Das Boot machte langsame Fahrt voraus und die Delfine näherten sich, einige surften in der Bugwelle des Bootes. Die Atemgeräusche der Delfine waren so deutlich zu hören, als würde man selbst im Wasser neben ihnen schwimmen. Wieder achteten Jörn Selling und der Skipper sehr genau darauf, dass die Delfine die Dauer des Kontakts bestimmten. Es war rührend zu sehen, wie viele Delfinmütter ihre teils neugeborenen Kälber auf Tuchfühlung hielten und beruhigend zu wissen, dass der Skipper ihnen in keinem Augenblick zu nahe kam. Eine wichtige Regel bei sanftem Whale Watching, die Tiere nicht zu verfolgen, nicht in die Gruppe zu fahren und damit die Kälber nicht von ihren Müttern zu trennen. Plötzlich tauchte ein großes Schiff mit dem großen flankierten Plakat „Dolphin World“ auf, ein Veranstalter, der offenbar Delfintouren in Algeciras anbietet. Dieser Skipper fuhr mehrmals schonungslos in die Gruppe, nur um seinen Touristen ein schnelles Delfinerlebnis zu bescheren. „Das macht der jedes Mal“, schimpfte Jörn Selling völlig zu Recht.

Eine Tour, auf die man am besten gleich verzichten sollte, nicht nur, weil man nichts davon hat, sondern vor allem, weil die Tiere massiv gestört werden. Glücklicherweise verschwand „Dolphin World“ nach ca. fünf Minuten und wir setzten unsere zweistündige Fahrt fort. Aus meiner Sicht ist bei den Ausfahrten von firmm® neben dem wissenschaftlichen Know-How besonders hervorzuheben, dass man sich sehr viel Zeit bei der Begegnung mit den Walen und Delfinen lässt und Rücksicht auf die Tiere nimmt. So wird die Fahrt zum echten Erlebnis, zu einer Begegnung, wie man sie sich gewünscht hat.



© firmm espana: Gewöhnlicher Delfin

Wir sichteten am 21.07.05 in der Bucht von Algeciras eine große Schule (so nennt man Gruppen von Walen und Delfinen) gestreifte Delfine mit zahlreichen Kälbern. Bei manchen Kälbern (so nennt man die Delfinbabies) konnte man nach Jörn Sellings Information sogar noch der „Neugeborenenstreifen“ erkennen. Demzufolge waren die Kleinen höchstens ein Tag bis eine Woche alt.

Dann näherte sich das riesige Kreuzfahrtschiff „Queen Elisabeth II“ (Cunard Linie/Southampton), die mit donnernden Horn ihr Auslaufen aus dem Hafen verkündete. Majestätisch glitt sie an uns vorbei, wie es sich für eine Königin gehört. Verblüffend war, dass die Delfine auf den Wellen surften. Ein schon aus der Ferne beeindruckender Anblick. Der Skipper stoppte das Boot und als die Wellen, die die „Queen“ verursachte hatte, uns erreichten, bot sich ein Anblick, den ich zuvor noch nie erlebt hatte. Die Delfine surften auf den Wellen direkt an unserem Boot vorbei, so erlebten wir das Schauspiel aus nächster Nähe bevor wir in den Hafen zurückkehrten.

In der Strasse von Gibraltar kann man je nach Jahreszeit auch viele andere Walarten antreffen, beispielweise den Orca oder Killerwal, das zweitgrößte Tier der Welt, den Finnwal oder den Meister im Tieftauchen, den Pottwal (bis 3.000 Meter tief kann er tauchen).

© firmm espana: Orca © firmm espana: Finnwal © firmm espana: Pottwal

Neben den sagenhaften Begegnungen mit Walen und Delfinen ist aber auf jeden Fall auch das inzwischen schon traditionelle, einmal wöchentlich stattfindende „Nachtessen“ für die Teilnehmer der Seminare absolut erwähnenswert. Katharina Heyer, die Gründerin von firmm®, lädt auf eine abgelegene Finca zum Festschmaus traditioneller Gerichte ein.
Diese Gelegenheit der Abgeschiedenheit vom Touristenrummel in Tarifa nutzt sie, um über die Gründung von firmm® im Jahre 1998 zu berichten und erzählt, warum sie sich für die Erforschung der Wale und Delfine und dem Schutz ihres Lebensraumes einsetzt.

Ein ganz heißer Tipp ist die neu gegründete Stiftung firmm® maroc. Katharina Heyer baut derzeit mit Unterstützung der marokkanischen Regierung einen einzigartigen Dolphin Resort mit angegliederter Auffangstation für gestrandete Wale und Delfine. Ziel ist es, eine Plattform zu errichten, welche es erlaubt, Delfine aus Gefangenschaft in ihren natürlichen Lebensraum zurückzuführen. Aber das ist lange noch nicht alles: Neben Seminaren soll auch Urlaub für Familien möglich sein. Mehr über den Dolphin Resort: www.dolphinresort.org

Der Besuch in Tarifa wird ein unvergessliches Erlebnis bleiben und wir bedanken uns sehr bei Katharina Heyer und ihrem Team für die herzliche Aufnahme.


Katharina Heyer

Übrigens: Telefonate mit dem Büro von firmm® sind auch sprachlich kein Problem. Die Mitarbeiter sprechen fliessend deutsch, englisch und spanisch.

Solltest du nach Tarifa reisen, wünsche ich viel Spaß und bestelle dem Team schöne Grüsse von mir.

Markus R. Hartmann

Kontakt Stiftung firmm®:
firmm® Schweiz (Hauptsitz)
Massholderenstr. 48
CH-8143 Schweiz
Tel: + 41 1 700 15 21
Fax: + 41 1 700 61 40
Mobile: +41 79 356 96 46
Mail: firmm98@aol.com
Web : www.firmm.org

firmm® espana
Pedro Cortés 4
E-11380 Tarifa, Spanien
Tel: + 34 956 62 7008
Fax: + 34 956 68 1424
Mobile: +34 619 459 441

firmm® maroc
18, Rue Farabi, 3 ème étage, Bureau no. 9, Tanger, Marokko
Web : www.dolphinresort.org

 

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