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Rollo Gebhardt

 

 

Interview mit Rollo Gebhard:

Magnetator.de:

Sehr geehrter Herr Gebhard,

Frage 1:
Gemeinsam mit seinem Partner die Welt zu umsegeln hört sich für viele Leser sicher romantisch an. Die Weltumsegelungen erfolgreich zu Ende zu führen war aber sicher auch mit viel Disziplin verbunden. Welche besonderen Herausforderungen mussten Sie bewältigen?
Rollo Gebhard:
Ich segelte zweimal allein um die Welt in einem nur 7m langen Boot, jeweils 3 und 4 Jahre lang, dann ein drittes Mal 7 Jahre lang mit meiner jetzigen Frau Angelika.

Schwierigste Aufgabe war die tägliche mathematische Navigation (Standortbestimmung) mit Sextant und Chronometer. Monatelang Tag und Nacht segeln und steuern, dabei kaum Schlaf finden!


Frage 2-3:
Die Welt zu umsegeln hört sich irre spannend und abenteuerlich an. Wie wird man Weltumsegler? Was hat Sie veranlasst, die Welt dreimal zu umsegeln, und welchen Beruf haben Sie ursprünglich gelernt?
Was empfanden Sie damals und heute als das größte Abenteuer an den Weltumsegelungen?
Rollo Gebhard:
Man wird Weltumsegler, indem man alle nötigen Fertigkeiten erarbeitet und Kenntnisse erwirbt. Notwendig ist dann auch ein extrem starkes Durchhaltevermögen.

Ich hatte in Garmisch-Partenkirchen ein Musikgeschäft und arbeitete daneben 15 Jahre lang als Schauspieler. Später erfüllte ich mir mit dem Segeln meinen Jugendtraum.


Frage 4:
Was war das schönste Erlebnis, an das Sie sich erinnern können?
Rollo Gebhard:
Das schönste Erlebnis: der große und festliche Empfang in Hamburg nach der ersten Weltumsegelung.

Frage 5:
Was war das schrecklichste Erlebnis, an das Sie sich erinnern können?
Rollo Gebhard:
Das schrecklichste Erlebnis war die Kenterung vor Grönland in Sturm und Kälte auf meiner dritten Weltumsegelung mit meiner Frau Angelika und danach die 16 Tage und Nächte Weiterfahrt im beschädigten Boot bis Neufundland. Ohne Heizung, ohne Selbststeuerung, ohne Funk und ohne Herd für warmes Essen oder Getränke.


Frage 6:
Sie haben während Ihrer dritten Weltumsegelung 1991 die GRD gegründet. Warum liegt Ihnen der Schutz der Wale und Delfine so sehr am Herzen?
Rollo Gebhard:
Wir sind damals nachts mit dem Boot in einem Treibnetz hängen geblieben und glücklicherweise wieder frei gekommen. Aber erst Monate später erfuhren wir von Fischern in Alaska, dass Treibnetze das Leben in den Meeren vernichten, weil Millionen von Tieren in diesen bis zu 120km langen Netzen verenden. Neben Seevögeln, Meeresschildkröten, Haien und Walen vor allem Millionen von Delfinen!! Von diesen intelligenten Meeressäugetieren werden in einer Nacht mehr getötet als insgesamt bei der Öl-Katastrophe der „Exxon Valdez“ zugrunde gingen!


Frage 7:
Was sind die Ziele der GRD?
Rollo Gebhard:
Ich gründete 1991 die GRD, mit dem Ziel die Treibnetzfischerei aus den Weltmeeren zu verbannen. Hier haben wir bereits große und wichtige Erfolge erzielen können. So setzen wir das weltweite Kontrollprogramm für „delfinsicheren“ Tunfisch des amerikanischen Earth Island Institute (EII) in Deutschland um. Es verbietet den Einsatz „delfintödlicher“ Netze und verhindert so den Tod Tausender Wale und Delfine. Wir kontrollieren die teilnehmenden deutschen Importeure und Händler regelmäßig und veröffentlichen eine Positivliste. Nur sie zeigt dem Verbraucher, welcher Tunfisch wirklich „delfinsicher“ ist: www.tunfischliste.de

Damit zerstören wir die Absatzmärkte und Absatzmöglichkeiten der Treibnetzfischer.

Zusätzlich kämpfen wir gemeinsam mit unseren Partnern weltweit für den Erhalt bedrohter Delfinpopulationen und ihrer Lebensräume, so in Peru, Mosambik, Kroatien, bei der Kanareninsel La Gomera oder bei der Karibikinsel Dominica.


Frage 8:
Ein Schutzprojekt liegt uns (Magnetator.de) selbst sehr am Herzen, weil wir eine Patenschaft für den Großen Tümmler „Strelica“ übernommen haben und wir verfolgen die Entwicklung sehr interessiert. Es geht um das Schutzprojekt in der kroatischen Adria, quasi „vor unserer Haustür“. Man hat die Möglichkeit, sich auf Ihrer und unserer Internetseite einen Delfinsichtungsbogen herunterzuladen. Welches Ziel verfolgen Sie damit?
Rollo Gebhard:
Die Auswertung der Sichtungsbögen erlaubt uns Aufschlüsse über die Aufenthaltsorte der Adria-Delfine in verschiedenen Küstenregionen und zu verschiedenen Jahreszeiten. Die Sichtungsbögen sind eine wichtige Ergänzung unserer eigenen Feldarbeit und der unserer kroatischen Partner.


Frage 9:
Patenschaften sind ein wichtiger Bestandteil für den Delfinschutz, wie genau funktioniert so eine Patenschaft und wo fließen die Gelder hin?
Rollo Gebhard:
Eine Patenschaft ist symbolisch für ein ganz bestimmtes Tier, einen Delfin, den wir immer wieder individuell erkennen können, wenn wir oder unsere Partner ihm bei der Feldarbeit begegnen. Die Patenschaft kostet 50,00 € im Jahr und dieser Beitrag wird speziell zur Finanzierung des Projekts „Rettung der letzten Adria-Delfine“ verwendet.


Frage 10:
Eine Patenschaft bezieht sich also auf einen bestimmten Delfin und das Geld wird für die Unterstützung des Schutzprojektes verwendet. Theoretisch könnte man seinen Patendelfin ja mal besuchen. Aber wie kann man denn „seinen“ Delfin vom Bild auf der Urkunde in der freien Natur wieder erkennen?
Rollo Gebhard:
Jeder wilde Delfin ist, wenn es sich nicht um ein ganz junges Tier handelt, an Hand von Narben, Einkerbungen und Verletzungen besonders an der oft gut sichtbaren Rückenfinne individuell gekennzeichnet und somit auch individuell identifizierbar. Man kann „seinem“ Patendelfin also, mit etwas Glück, sogar in der freien Natur begegnen, wenn man sich die Einkerbungen und Markierungen seiner Rückenfinne gut eingeprägt oder ein Foto des Delfins zur Hand hat.


Frage 11:
Und wenn man vor Ort ist, möchte man „seinen“ Delfin ja nicht stören, es gibt sicher Verhaltensregeln für so genanntes „sanftes Whale Watching“. Wo kann man diese erhalten?
Rollo Gebhard:
Verhaltensregeln sind auf der Rückseite des Delfinsichtungsbogens „Adria“ abgedruckt. Auch in der GRD-Foto-Galerie finden sich Beispiele über richtiges Verhalten bei der Begegnung mit wilden Delfinen.


Frage 12:
Dürfen wir nach Ihrem Alter fragen?
Rollo Gebhard:
Ich werde demnächst 85 Jahre alt.


Frage 13:
Die Inhalte unserer Internetseiten werden hauptsächlich von Kindern besucht. Nach drei Weltumsegelungen und so viel Lebenserfahrungen durch Ihre Projekte und zahlreichen Aktivitäten: Was würden Sie Kindern von heute mit auf den Lebensweg geben wollen?
Rollo Gebhard:
Für Kinder ist besonders wichtig: Selbstdisziplin und Gehorsam, maßvoll in den eigenen Wünschen bleiben und die eigene Lebensaufgabe nach bestem Wissen und Können erfüllen.


Frage 14:
Den zahlreichen E-Mails von Kindern nach zu urteilen, können wir ohne Übertreibung behaupten, dass Kinder und Jugendliche von heute den Meeressäugern sehr verbunden sind und sich für Möglichkeiten zu deren Schutz interessieren. Was kann man als einzelne „Landratte“ tun, um sie bei Ihren Schutzprojekten zu unterstützen?
Rollo Gebhard:
Kindern die Freude an Tieren und Wäldern, der Natur überhaupt vermitteln. Ihnen die Wichtigkeit von Tieren, insbesondere auch von Meeressäugern, für das Überleben der Menschheit erklären. Die Menschheit hat sich sehr schnell vermehrt, aus Millionen wurden Milliarden! Jetzt müssen Technik, Wissenschaft und Arbeitszeit eingesetzt werden, um die Natur zu erhalten. Es geht alles immer schneller, folglich könnte auch ein beginnender Untergang der Menschheit z.B. durch Luftverschmutzung relativ schnell unaufhaltsam werden, ebenso ein Absterben des Lebens in den Meeren, wodurch die Ernährung der Menschen gefährdet wäre.


Frage 15:
Bieten Sie neben den Mitgliedschaften und Patenschaften für Delfine auch spezielle Angebote, die für Kinder interessant sein können, wie z.B. ein „Kinderpaket“ mit einer Patenschaft für ein Jahr oder ähnliches?
Rollo Gebhard:
Kinder können bei uns für nur 15,00 € Fördermitglied werden oder sie können eine Delfinpatenschaft nur für ein Jahr abschließen.


Frage 16:
Bei Fragen rund um den Delfinschutz: Wo kann man die GRD denn erreichen?
Rollo Gebhard:
Es gibt mehrere Wege, uns zu erreichen:

Per Internet: www.delphinschutz.org
E-Mail: info@ delphinschutz.org
Telefon: 089 – 71416 0410 (werktags zwischen 9 und 13 Uhr)
Telefax: 089 – 71416 0411

oder per Post:

Gesellschaft zur Rettung der Delphine
Kornwegerstr. 37
81375 München


Lieber Rollo Gebhard, wir bedanken uns sehr herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen und den Delfinen viel Erfolg bei Ihren Projekten.


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