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Besuch am „Leuchtfeuer des Mittelmeeres“
Der Insel Stromboli besteht eigentlich nur aus einem einzigen
Vulkan, ist 12 Quadratkilometer groß und gehört
zu den Äolischen Inseln, oft auch als die „Liparen“ bezeichnet.
Vulkane haben auf mich schon immer einen besonderen und geheimnisvollen
Reiz ausgeübt, schließlich sind sie die direkte
Verbindung ins Innere der Erde. Im Frühjahr 2005 wollte
ich dem Mythos Vulkan auf die Spur kommen und einen Ausbruch
live erleben. Stromboli ist seit gut 2.300 Jahren daueraktiv,
was ihm schon in der Antike den Ruf als „Leuchtfeuer
des Mittelmeeres“ einbrachte. Die Chancen, einen Vulkanausbruch
aus nächster Nähe zu erleben standen also sehr
gut, ich hatte ja keine Ahnung, welche Schwierigkeiten darüber
hinaus auf uns warteten.
Nebenbei wollten wir, oder besser gesagt Marc Szeglat von
terrascience medien, Filmaufnahmen für das Fernsehen
und vor allem für meine erste „Magnetator Vulkan-Show
für Kinder“ drehen. Von Marc Szeglat stammen im Übrigen
auch alle in diesem Beitrag gezeigten Bilder.
Aber wo liegt Stromboli eigentlich genau?

© terrascience
medien
Stromboli ist die Nördlichste der Äolischen Inseln
und liegt im Tyrrhenischen Meer nördlich von Sizilien
und westlich von Calabrien, also in Italien.
Die Anreise ist recht zeitaufwendig und, wenn das Flughafenpersonal
streikt, ein „kleines Tüpfelchen“ anstrengender
als eine Pauschalreise mit All-inclusive-alles-geht-sofort-rundum-sorglos-Paket.
Man fliegt direkt nach Neapel, begibt sich vom Flughafen
in die Stadt, löst ein Ticket für die Fähre
und reist abends gegen 22 Uhr ab.
Alles in Allem sollte man sich je nach Abreisezeit am Heimatflughafen
auf rund 20 bis 24 Stunden Anreisezeit einrichten, ein Tag
geht also flöten – aber zum Sonnenbruzeln am laufenden
Meter überbelegter Strände sind wir ja eh nicht
unterwegs. Also geniessen wir den Aufenthalt auf der Fähre.

© marc szeglat: Hafen Neapel mit
dem Vesuv im Hintergrund
Die Reise dauert bis ca. 6 Uhr am nächsten Morgen und
wenn man Glück hat, speit der Stromboli bei der Ankunft
gerade glühende Lava aus. Dann weiß man sofort,
dass man es tatsächlich mit dem Leuchtfeuer des Mittelmeeres
zu tun, der Kapitän sich nicht verfahren hat und die
Anreise sich dem Ende neigt.
© marc
szeglat
Bettenburgen und vollbesetzte Strände? Fehlanzeige!
Auf der Insel geht es ruhig und beschaulich zu.
© marc
szeglat
Die „Stadt“ ist trotz zahlreicher kleiner Gassen
durchaus übersichtlich. Einzige Fortbewegungsmittel
sind Zwei- und Dreiräder, die sich mit Schrammen an
zahlreichen Häuserwänden verewigt haben (okay,
der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es
einen Lastwagen gibt, der aber nur auf der ca. 2 Kilometer
langen Hauptstrasse fahren kann, weil alle anderen Gassen
einfach zu eng sind und die Carrabinieri einen Vierrad-Elektrowagen
fahren – auch der Vollständigkeit halber: ohne
Blaulicht).

© marc
szeglat
In der Nähe von Vulkanen gibt es sehr fruchtbaren Boden,
weil die vulkanischen Förderprodukte sehr mineralstoffreich
sind. Daher kann man eine vielfältige Pflanzenwelt bewundern.
© marc szeglat
Wasser ist sehr knapp. Für die Wasserversorgung der
Insel sorgen Tankschiffe, die zweimal wöchentlich die
Insel anlaufen und einen ganzen Tag benötigen, um ihre
Tanks zu löschen.

© marc
szeglat
Wer den Fang der Fischer begutachten möchte, muss sehr
früh aufstehen.
© marc szeglat
Der Stromboliccio ist ein Vulkan, der vor ca. 230.000 Jahren
entstand und heute bis auf den Schlotpropfen erodiert ist.

© marc
szeglat
Der Stromboli ist vor 40.000 Jahren entstanden, damit noch
ein „junger Bursche“ unter den Vulkanen. Der
Stromboli ist 924 Meter hoch. Wie bitte? Klein? Harmlos?
Wenig beeindruckend? Weit gefehlt. Bedenkt man, dass das
Tyrrhenische Meer an dieser Stelle 2.000 Meter tief ist,
kommt der Stromboli auf eine stattliche Höhe von annähernd
drei Kilometern, die der Vulkan in nur 40.000 Jahren aufgebaut
hat. (Zum Vergleich: Deutschlands höchster Berg, die
Zugspitze ist 2.963 Meter hoch.) Wer jetzt noch glaubt, die
924 Meter über dem Meeresspiegel zu erklimmen, sind
dann ja wohl ein Klacks, der ist entweder Bergführer
oder Beamter der Guardia Civil, die den Berg jeden Tag hochrennen.

© marc szeglat
Eingangs erwähnte ich Schwierigkeiten, an die man als „harmloser
Tourist“ gar nicht denkt.
Da wäre zum einen das Wetter (damit meine ich nicht,
ob die Sonne nun durch eine Wolke etwas abdunkelt und man
nicht ausreichend braun aus dem Urlaub zurückkehrt)
und die Vulkantätigkeit, zum anderen die italienischen
Gesetze und vor allem unseriöse Veranstalter. Letztere
sind leider unkalkulierbar. Aber der Reihe nach. Zuerst die
gute Nachricht: Wenn der Gipfel tagsüber wolkenverhangen
ist, heißt das gar nichts, das Wetter kann sehr schnell
ins Positive umschlagen (naturgemäß leider auch
andersherum). Nach wie vor ist eine Besteigung des Stromboli
nur in geführten Touren möglich. Täglich machen
sich 4 Gruppen á 20 Personen an den Aufstieg über
die neue, schnellere Route. Die Gruppen sind Tage im voraus
ausgebucht und eine Reservierung dringend erforderlich. Vulkanguide
Nino (unterhalb von Café Ingrid) ist unseriös
und nimmt Reservierungen entgegen, auch wenn er nicht aufsteigen
darf. Der Aufstieg über die alte Route ist bis auf 400
m frei. Von Alleingängen zum Gipfel ist abzuraten, da
kurz vor den Gruppen Polizisten (Guardia Civil) kommen und
den Pizzo räumen. Die Gruppen gehen am späten Nachmittag
los und sind kurz vor Sonnenuntergang oben. Nach 23 Uhr darf
sich niemand mehr oberhalb 400 m aufhalten. Im Schnitt bleiben
die Führer 2 Stunden oben, also nicht viel Zeit zum
Fotografieren! Dann hängt es ja noch von der Vulkantätigkeit
und vom Wetter ab... . Von 400 m Höhe aus sieht man
zwar schon den Krater, aber echtes Vulkanfeeling kommt da
noch nicht auf. Bei schlechtem Wetter steigen die Gruppen
nicht auf, wer an diesem Tag reserviert hat, ist ein Pechvogel.
Wer die Insel nur ein paar Tage besucht, bekommt dann auch
keine neue Chance für einen Aufstieg weil die Gruppen
lange im Voraus ausgebucht sind. Übrigens, wer es trotzdem
auf eigener Faust versucht, muss mit Strafen von 200 € pro
Nase rechnen (alternativ werden schon auf Plakaten im Hafen
und vor den Aufstiegspfaden drei Monate Arrest in Aussicht
gestellt – von einer Sonnenbank steht da nichts…)!
Wie auch immer, wir haben es mehrmals auf 400 Meter und
auch einmal auf den Gipfel geschafft. Der Stromboli begrüsste
uns mit reger Aktivität und das Grollen und Donnern
war schon von Weitem zu hören. Auf dem Gipfel muss man
zur Sicherheit einen Helm tragen, den man aber von dem Veranstalter
der Tour zur Verfügung gestellt bekommt. Die Vulkantätigkeit
auf dem Gipfel ließ alle Schwierigkeiten im Nu vergessen.
Beeindruckend!

© marc szeglat
Erleichtert darüber, dass nun alle Aufnahmen im Kasten
waren, konnten wir die Ruhe der Insel geniessen.

© marc szeglat
Am Strand fanden wir tausende Bimssteine vor. Bims ist ein
weißes, vulkanisches Gestein und entsteht aus gasreichen
Magmen, die explosiv gefördert werden. Aufgrund seines
hohen Porenvolumens schwimmen Bimssteine häufig. Bims
wird industriell genutzt, ein sehr bekanntes Produkt findet
man häufig in Badezimmern, die „Hornhautbürste“.
© marc szeglat
Ein anderes vulkanisches Förderprodukt ist die vulkanische
Bombe. Die abgebildete Bombe stammt zwar nicht vom Stromboli,
aber wir konnten auf 400 Meter an der „Sciara del Fuoco“ solche
Steine mit hoher Geschwindigkeit ins Meer rasen sehen, weil
sie über die Steilflanke des Berges mit Getöse
hinabrollten.
© marc szeglat
Wir nutzten den verbleibenden Tag bis zur Abreise für
einen Besuch auf Vulcano und einem Bad in den Schwefelquellen
(müffel). Die Infos zum Besuch auf Vulcano findest du
hier.
Lediglich die Überdosis Pizza und Pasta zog nach der
Heimkehr eine längere Pause bei der Pizzeria um die
Ecke nach sich.
Sowohl bei Ankunft als auch bei Abreise waren freundliche
und hilfsbereite „Ureinwohner“ vor Ort. Nachfolgend
fotografierten „Strombolianer“ kennt Marc Szeglat
duch seine zahlreichen Besuche auf Stromboli schon seit Jahrzehnten.
© marc szeglat
Wer sich für weitere fundierte Hintergrundinformationen
zum Vulkan Stromboli interessiert, der besucht am besten
die Internetseite von terrascience medien www.vulkane.net.
Markus R. Hartmann
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zu folgenden Themen:
www.m-coach.de :
Reise zu den Sternen
www.delfin-pangaea.de :
Reisen zu Walen und Delfinen
Autor: M.Hartmann
Copyright Bilder und Text: M.Hartmann
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