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Rudolf Seifert

 

Sehr geehrter Herr Seifert,

wir freuen uns, dass Sie als Gründer und Geschäftsführer der Phänomenta Peenemünde Zeit für ein Interview gefunden haben. Zur Information für die Leser dieses Interviews: Peenemünde liegt auf der Ostsee – Insel Usedom, einer der schönsten und sonnenreichsten „Ecken“ Deutschlands.

Magnetator.de:
Zunächst interessieren wir uns wie gewohnt für einige Daten und Fakten: Seit wann gibt es die Phänomenta Peenemünde?

Rudolf Seifert:
Die Phänomenta Peenemünde wurde im April 2000 eröffnet.

Magnetator.de:
Mit wie viel Experimenten eröffnete die Phänomenta Peenemünde und wie viele sind es heute, mit denen man sich beschäftigten kann?

Rudolf Seifert:
Im April 2000 starteten wir mit „nur“ 30 Ausstellungsstücken und haben bis 2003 auf 250 Exponate ausgebaut. 2004 werden es bereits 300 sein.

Magnetator.de:
Donnerwetter, dafür benötigen Sie entsprechende Räumlichkeiten.

Rudolf Seifert:
Selbstverständlich sind die Exponate nicht auf kleinem Raum zusammengedrängt.
Die Ausstellungsfläche beläuft sich auf 4.000 m2

Magnetator.de:
Bei unserem letzten Besuch haben wir wieder neue Experimente entdeckt und trotz der Besucherscharen, finden wir immer ausreichend Platz zum Experimentieren und Staunen.
Wie viel Besucher zieht die Phänomenta an?

Rudolf Seifert:
Im Jahr 2003 waren es 100.000 Besucher. Wir haben jedoch nicht ganzjährig geöffnet (im Winter ist die Phänomenta für einige Wochen geschlossen – in Ferienzeiten aber auch im Winter geöffnet). In der Hauptsaison besuchen täglich ca. 2.000 Menschen die Phänomenta.

Magnetator.de:
Welche Altersklassen besuchen die Phänomenta?

Rudolf Seifert:
Grundsätzlich alle. Wirklich, das freut mich besonders. Kinder und Jugendliche faszinieren die Themen genauso, wie die Großeltern. Es hat tatsächlich schon Großeltern gegeben, die sich nach einem mehrstündigen Besuch persönlich bei uns für die leicht verständlichen physikalischen Einblicke bedankt haben. Und die Geburtstagsparties sind der Renner schlechthin.

Magnetator.de:
Sie leiten nicht nur den Betrieb in der Phänomenta, sondern unterstützen auch die Phänomania in Suhl und die Eureka in Stettin (Polen). Wie äußert sich diese Unterstützung?

Rudolf Seifert:
Einerseits berate ich diese Häuser aus praktischer Sicht und durch meine Erfahrungen. Andererseits bauen wir unsere hier ausgestellten Exponate in einer eigenen Werkstatt, hiervon profitieren sowohl die Phänomania in Suhl aus auch die Eureka in Stettin.

Magnetator.de:
Wir haben im Laufe der Interviews mit unseren zahlreichen Kooperationspartnern immer wieder festgestellt, dass es Gründe dafür gibt, sich im Bereich der Wissensvermittlung zu betätigen. Jeder hat seine ganz eigene Motivation und stets eine sehr interessante und spannende Geschichte, wie sich alles so entwickelt hat. Wie war das bei Ihnen?

Rudolf Seifert:
Die Geschichte zur Gründung der Phänomenta Peenemünde beginnt im Grunde genommen schon sehr früh. Während der Kriegszeit war ich oft bei meinem Onkel auf einem Bauernhof in der Nähe von Bad Zwischenahn, wo die Raketenjäger erprobt wurden, zu Besuch. Wir lagen oben in der Scheune auf dem Stroh, sahen die Rauchsäulen senkrecht aufsteigen – und später die antriebslosen Flugzeuge wieder landen. Das faszinierte uns Kinder, wir waren stolz auf die Leistungen deutscher Ingenieure. Am 03. Oktober 1942 ereignete sich Weltgeschichte: In Peenemünde wurde mit einer von Wernher von Braun geschaffenen Rakete vom Typ A4 zum ersten Mal der Weltraum erreicht. Das war auf Usedom. Das war der bedeutendste technische Durchbruch des 20. Jahrhunderts und die Grundlage der Raumfahrt.

Als ich mit Freunden im Jahre 1998 Rügen besuchte, sind wir nach Usedom gefahren, um den Geburtsort der Weltraumfahrt zu besuchen. Alle heute als selbstverständlich geltenden Errungenschaften, wie beispielsweise Satellitenfernsehen, Satellitennavigation, die heute kaum wegzudenkenden Mobiltelefone, die Erforschung des Weltraumes durch Satelliten und Raumflüge, basieren auf diesen Raketentests. 1957 wurde von den Russen der erste Satellit „Sputnik“ in die Umlaufbahn der Erde geschossen. Ich befand mich zu dieser Zeit in den USA. Es hieß, man könnte den Sputnik in sternenklaren Nächten von der Erde aus sehen und ich schlug mir Stunden, manchmal sogar Nächte um die Ohren, aber ich konnte ihn nicht entdecken. Jedenfalls war es die ursprüngliche Begeisterung für Technik, die mich Ende der 90er Jahre dazu veranlasste die Gründung einer Phänomenta in Peenemünde zu realisieren.

Magnetator.de:
Sie stammen aus Nordrhein – Westfalen, wohnten also nicht gerade „vor der Haustür“, und waren ursprünglich in einer ganz anderen Berufssparte tätig. Warum haben Sie sich für Ihre Phänomenta den Standort Peenemünde ausgesucht?

Rudolf Seifert:
Peenemünde ist ein Symbol der Geschichte, nicht nur für Deutschland, sondern, unter dem Aspekt der Raumfahrt, für die ganze Menschheit. Ich besuchte Peenemünde im Jahre 1998 und war erschrocken von dem Bild, das sich mir zu jenem Zeitpunkt bot. Daraufhin habe ich ein Schreiben an den Ministerpräsidenten verfasst, dass man einen solchen historischen Ort nicht verkommen lassen dürfe. Dieser bat mich darum, einige Vorschläge einzureichen, wovon sich letztlich ein Vorschlag, der sich mit der zivilen Seite der Wissenschaft befasste, durchsetzte, einem Science Center, der heutigen Phänomenta Peenemünde.

Magnetator.de:
Klar, Ihre Faszination für Technik spiegelt sich in der Phänomenta wider, aber noch mal genau: Woher stammt Ihre Idee für eine Phänomenta?

Rudolf Seifert:
Science Center faszinierten mich schon auf meinen zahlreichen Reisen im Ausland. Darüber hinaus ist es mir sehr wichtig, heute durch die PISA Studie sogar noch bekräftigt, Wissen über Technik und Naturwissenschaften im Allgemeinen einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Ich hatte meinen eigenen Betrieb Ende der 80er Jahre mit 54 Jahren verkauft und wollte danach etwas Sinnvolles tun. Daher lag für mich kaum etwas näher, als meine Liebe zur Technik, die Faszination für Science Center und einen Beitrag für Peenemünde zu verbinden.

Magnetator.de:
Vielleicht erfährt ein Leser dieses Interviews zum ersten Mal von der Phänomenta Peenemünde. Wie würden Sie die Phänomenta diesem Leser kurz beschreiben?

Rudolf Seifert:
Die Phänomenta Peenemünde ist eine Erlebniswelt aus Physik, Spiel, Unterhaltung und Know-how. Alles zum Anfassen, Ausprobieren und Mitmachen. Hier kann man ungewöhnliches Erleben, das sich im Alltag versteckt und Dinge sehen, die man sonst nicht sehen kann.

Magnetator.de:
Sehr geehrter Herr Seifert, wir bedanken uns ganz herzlich für das Gespräch und die Einblicke in die Phänomenta Peenemünde. Wir freuen uns schon heute auf den nächsten Besuch in Peenemünde.

Rudolf Seifert:
Die Freude liegt ganz auf meiner Seite. Bis bald.

 

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