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Wolfgang Sedlmeir

 

 

Sehr geehrter Herr Sedlmeir,

wir freuen uns, dass Sie als Geschäftsführer des Universum® Science Centers in Bremen die Zeit finden, unsere Fragen zu beantworten.

Magnetator.de:
Schon von Weitem fällt das Universum® auf. Man hat den Eindruck, sich einem riesigen auftauchenden Wal zu nähern und bereits bevor man das Universum® überhaupt erreicht, geschweige denn betreten hat, bekommt man das Gefühl, dass sich die ersten beiden Attribute des Universum® – Slogans „Hingehen, Staunen, Entdecken“ erfüllt haben.
Es drängt sich automatisch die Frage auf, wie es zu dieser außergewöhnlichen Architektur
kam. Können Sie uns darüber etwas erzählen?

Wolfgang Sedlmeir:
Die ungewöhnliche Form soll vor allem zum Inhalt des Universums® passen. Das Science Center stellt Fragen nach Funktion und Sinn des Lebens, nach Hintergründen, Zusammenhängen und Verstehen unserer Existenz. Mit der Form des Science Centers wollte der Architekt Thomas Klumpp diese Fragen symbolisieren. Leben ist nicht rechtwinklig, nicht geradlinig. Leben ist organisch, weich, fließend, gekrümmt und unregelmäßig geformt. So ist auch das Science Center gestaltet: dynamisch und geheimnisvoll. Außerdem wollte der Architekt durch die äußere Hülle des Universums® neugierig machen auf die Inhalte – und ich denke, das ist sehr gut gelungen. Der Wiederekennungseffekt ist enorm

Magnetator.de:
Doch mit dem Staunen geht es erst so richtig los, wenn man im Universum® auf Expedition geht. Sie haben Themenbereiche im Universum® geschaffen, die den Besucher durch verschiedene Welten führen. Welche sind das und warum haben Sie sich für diese Überbegriffe entschieden?

Wolfgang Sedlmeir:
Unsere Themenbereiche sind die Expeditionen Mensch, Erde und Kosmos. Wir haben uns für diese Themen entschieden, weil sie ein breites Publikum ansprechen. Die menschlichen Sinne, Naturphänomene, Licht und Schatten kennt schließlich jeder und jeden interessiert es doch, was es damit genau auf sich hat. Wer dann auf Forschungsreise durch die drei Themen geht, der kann an über 250 Mitmach-Exponaten, Erlebnisräumen und Simulationen selbst Hand anlegen und die Phänomene hautnah erforschen. Deshalb nennen wir unsere Themenbereiche auch „Expeditionen“. Besondere Highlights sind zum Beispiel das Erdbebensofa, auf dem man per Knopfdruck drei verschiedene Erdbebenstärken nachempfinden kann, ein Dunkel-Labyrinth oder auch unser drei Meter hoher Tornado. Es gibt aber noch viel mehr interessante Dinge, sodass ich hier gar nicht alles aufzählen kann. Die Exponate verteilen sich auf 4000 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf drei Ebenen.

Magnetator.de:
Das ist ja interessant. Wir durften uns bereits ein Bild von der Faszination der Themen machen. Natürlich ist uns – passend zum Roman „Magnetator – Das Delfin-Symbol“ - ein Thema der Expedition Erde besonders aufgefallen: Vulkane!
Auf welche Weise kann man den Aufbau der Erde und das Thema Vulkane im Universum® Science Center erleben und auf Entdeckungsreise durch unseren Planeten Erde gehen?

Wolfgang Sedlmeir:
Den Aufbau der Erde kann der Besucher am besten verstehen, wenn er die Expedition Erde der Reihe nach erforscht. Denn alle Themenbereiche sind bei uns logisch aufgebaut. So beginnt beispielsweise die Expedition Erde im Mittelpunkt und führt über die verschiedenen Schichten bis hin zur Erdoberfläche. Schaut man sich alle Exponate der Reihe nach an, weiß man also, wie die Erde aufgebaut ist. Auf diesem Weg durch die Expedition werden Phänomene wie das Magnetfeld der Erde, Erdbeben, Flüsse und Tornado vorgestellt.
Zusätzlich läuft zurzeit unsere Sonderausstellung „Vulkane. Brodelnde Erde“. Hier können die Besucher einen Wasser spuckenden Geysir erleben, mit den Fingerspitzen verschiedene Strukturen von Lavasteinen ertasten und einen Film über Vulkanausbrüche bestaunen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 3. Oktober. Einige der neuen Exponate bleiben aber auch danach noch im Universum® und werden zum festen Bestandteil unserer Dauerausstellung.
(Sonderausstellung „Vulkane. Brodelnde Erde“ im Universum® Science Center vom 30.06.2004. bis 03.10.2004)

Magnetator.de:
Toll, die Filmaufnahmen der Vulkane in der Vulkansonderausstellung stammen von unserem Kooperationspartner terrascience medien / Oberhausen, der uns auch die Inhalte auf Magnetator.de zum Thema Vulkane zur Verfügung gestellt hat.

Wolfgang Sedlmeir:
Stimmt genau.

Magnetator.de:
Aus Erfahrung können wir sagen, dass die Besucher unserer Internetseiten und Leser der Interviews stets großes Interesse an der Entstehungsgeschichte der einzelnen Institutionen , also an einem „Blick hinter die Kulissen“ haben.
Was können Sie uns über die Entstehungsgeschichte des Universum® Science Centers erzählen?

Wolfgang Sedlmeir:
Die Idee zum Universum® Science Center entstand im Jahr 1996, und zwar an der Universität Bremen. Der Grundgedanke war, eine Einrichtung mit Erlebnischarakter aufzubauen, die ganz normalen Menschen die Wissenschaft näher bringt. Dabei sollte alles zum Anfassen und Ausprobieren sein, damit die Dinge im wahrsten Sinne des Wortes be-greifbar werden. Der gute Kontakt zur Universität besteht auch heute noch. Sonderausstellungen und neue Exponate werden häufig vorher mit unseren Uni-Kooperationspartnern besprochen und auf Herz und Nieren getestet. Ein besonders enger Draht besteht zu dem Geologie-Professor Gerold Wefer.

Magnetator.de:
Sehr interessant. Und was können Sie uns zur Bauzeit, zu hintergründigen Zahlen und Fakten wie zum Beispiel der Besucherzahlen berichten?

Wolfgang Sedlmeir:
Die Bauzeit war ungewöhnlich kurz – nach nur anderthalb Jahren war das Gebäude inklusive Innenleben fertig gestellt. Die Kosten betrugen rund 17 Millionen Euro, die mit öffentlichen Mitteln gedeckt wurden. Seit der Eröffnung im September 2000 jedoch wird das Univerum® rein privatwirtschaftlich betrieben. Was übrigens äußerst ungewöhnlich ist, dass eine solche Einrichtung ohne öffentliche Zuschüsse auskommt. Das liegt nicht zuletzt an den phänomenalen Besucherzahlen, die wir verzeichnen – wir hatten jetzt vier Mal in Folge über 500.000 Gäste pro Jahr!

Magnetator.de:
Wenn Sie das Ziel oder, wenn Sie so wollen, die Botschaft des Univerums® an den Besucher formulieren würden, wie würde diese lauten?

Wolfgang Sedlmeir:
Wir möchten die Menschen neugierig machen. Wir möchten sie dazu bringen, sich mit den Dingen um sich herum zu beschäftigen. Wenn die Besucher nach dem Universum®-Besuch nach Hause gehen und als erstes das Lexikon aufschlagen, um noch mehr über ein bestimmtes Thema zu erfahren, ist das genau das, was wir uns wünschen. Und das alles verbunden mit einer Riesenportion Spaß beim Lernen.

Magnetator.de:
Toll! Da stimmen Sie übrigens mit der Zielsetzung von Magnetator vollkommen überein.
Aber wir möchten noch einmal auf Ihren Besucherstrom zurückkommen. Vier Jahre in Folge über 500.000 Besucher, Donnerwetter, herzlichen Glückwunsch. Worauf führen Sie den großen Erfolg des Universum® Science Centers zurück?

Wolfgang Sedlmeir:
Da spielen viele Faktoren zusammen. Zum einen haben wir dieses tolle Gebäude, das einfach neugierig macht. Dann ist auch unser Konzept sehr ungewöhnlich: Anfassen erwünscht – das gibt es in Deutschland bis heute sehr selten. Dazu kommt eine Inszenierung mit vielen, spannungsreichen Räumen. Das Universum® ist das erste und bislang einzige Science Center dieser Art in der gesamten Bundesrepublik, sodass viele Menschen bis zu drei Stunden Anreise auf sich nehmen, um uns zu besuchen. Und nicht zu vergessen das tolle Team, das für eine sehr gute Gästebetreuung vor Ort sorgt und inhaltlich immer wieder mit überraschenden Ideen aufwartet: Neben den 250 fest installierten Exponaten gibt es Sonderprogramme für Kinder und Senioren, Science Shows, Lesungen, Vortragsreihen, Kindergarten- und Schulklassenprogramme. Da ist für jedes Alter etwas dabei. Und auch Wiederholungsbesucher können immer wieder etwas Neues entdecken!

Magnetator.de:
Sie stammen aus Bayern. Wie und warum hat es Sie aus Bayern nach Norddeutschland „verschlagen“?

Wolfgang Sedlmeir:
Das Projekt Universum? hat mich so begeistert, dass ich nach kurzen Überlegungen mit meiner Frau diesen Schrittt gemacht habe. Als ich das erste Mal nach Bremen eingeladen wurde, um mir ein Bild zu machen, war ich sofort vom Produkt begeistert. Ich sah damals das Universum? noch im Rohbau. Und irgendwie wusste ich – das ist dein neuer Arbeitsplatz und das Projekt wird Erfolg haben.

Magnetator.de:
Wenn wir mit Ihnen durch das Univerums® gehen, dann spüren wir regelrecht Ihre Begeisterung für das Universum®. Was mögen Sie an Ihrem Beruf als Geschäftsführer besonders?

Wolfgang Sedlmeir:
Zum einen die Vielschichtigkeit der Aufgaben. Man hat mit so vielen verschiedenen Leuten zu tun. Zum anderen muss ich sagen, dass ich hier ein Team hinter mir habe, das einzigartig ist. Vom Scout über die Technik bis hin zu den operativen Kräften und der Verwaltung. Jeder ist mit seinem ganzen Herzen dabei. So etwas muss man erst einmal finden.
Und wenn ich durch das Universum? gehe und die Besucher sehe, wie sie lachen, probieren, sich miteinander beschäftigen und einfach nur gut drauf sind, dann weiß ich auch: Wir machen alles richtig. Und in welchem Beruf kann man schon den Lohn seiner Arbeit in strahlenden Gesichtern und Leuchten in den Augen von vielen vielen Menschen sehen ...?

Magnetator.de:
Sehr geehrter Herr Sedlmeir, vielen Dank für das hochinteressante Interview, es hat uns großen Spaß gemacht, mit Ihnen dieses Gespräch zu führen und wer noch mehr über Sie erfahren möchte, klickt einfach in unsere Rubrik „Wer ist Wer“, wo Sie uns freundlicherweise Ihren Lebenlauf zur Verfügung gestellt haben. Vielen Dank.

Wolfgang Sedlmeir:
Gern geschehen, die Freude lag ganz auf meiner Seite.

Das Interview mit Wolfgang Sedlmeir wurde im September 2004 geführt.

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